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Gast sein im Offenen Kloster

Von Anfang an kamen immer wieder Gäste zu uns nach Aham, um für ein paar Tage oder für ein paar Wochen mit uns zu leben. Inzwischen gibt es auch Menschen, die mehrere Monate oder ein ganzes Jahr bei uns bleiben. In der Regel ist es wohl vor allem die bewusste Art des Zusammenlebens, die Menschen anzieht; der klösterliche Rhythmus unseres Lebens.

Der Tag

06:30

  • Wir beginnen den Tag in aller Stille, beten und singen zusammen und öffnen uns für das Wort Gottes: Einer von uns spricht einfache, ganz persönliche Worte. Wir anderen hören zu.

12:00

  • Wir versammeln uns in der Kapelle und beten für den Frieden in dieser Welt.




18:00

  • Wir beten und singen gemeinsam in unserer Kapelle.





21:00

  • Wir beenden den Tag mit einem Lied und in meditativer Stille.





An diesen täglichen Zusammenkünften können unsere Gäste stets teilnehmen. Das gilt auch für unsere Andacht am Sonntagmorgen. Wer mag, kann sich mit uns zum Beten versammeln; er muss es aber nicht. Denn wir haben auch Gäste, denen das Beten ungewohnt ist, die es vielleicht sogar als etwas Antiquiertes ansehen: „So was macht man doch heute als moderner Mensch gar nicht mehr!“ Diese Menschen suchen in der Regel dann aber umso bewusster die Stille, die bei uns herrscht. „Ich will erst einmal zur Ruhe kommen. Ich muss endlich zur Ruhe kommen! Sonst werde ich noch krank.“ Diese und ähnliche Worte hören wir oft.

Viele unserer Gäste kommen ins Offene Kloster, um einen neuen, vertieften Zugang zu sich selbst zu finden. Wir haben hier in Aham in vielen Jahren darin Erfahrungen gesammelt, Menschen in schwierigen Phasen ihres Lebens zu begleiten und ihnen zu helfen, neu aufzubrechen.

Wir wissen natürlich, dass es etwas verrückt ist, in einer Zeit, in der jeder Meinungs-, Wunsch- und Bewegungs­freiheit einfordert, ein paar Tage in klösterlicher Stille und Besinnung anzubieten. Und doch tun wir es, und wir machen gute Erfahrungen mit diesem Angebot.

Immer wieder gibt es auch Menschen, meistens solche, die uns schon lange kennen, die wollen einfach ein paar Tage mit uns zusammenleben und mit uns arbeiten. Denn auch das Arbeiten gehört zu unserem klösterlichen Leben. Wir lernen mehr und mehr, den erschöpfenden Charakter des Arbeitens zu verändern. Es gelingt uns langsam, das schöpferische Spielen als den Grund unseres Arbeitens freizulegen. Aus dem Zusammen-Arbeiten ein Zusammen-Spiel zu machen, erzeugt in uns Freude und Befriedigung.

Allen Gästen, die zu uns kommen, ist aber gemeinsam, dass sie mit uns sprechen wollen. In diesen Gesprächen suchen wir stets, unsere Gäste auf ihrem Lebensweg zu unterstützen und, wenn nötig, ihnen auch bei einer hoffnungsvolleren Neuorientierung in ihrem Leben zu helfen.


Aus Briefen unserer Gäste

Die Wirkung dieser "Klostergespräche" zeigt sich oft erst, wenn unsere Gäste wieder in ihrem Alltag angekommen sind und zurückschauen. So schreiben uns zum Beispiel Anita, Helmut, Elisabeth und Stefan:

Ich möchte mich für die liebevollen, achtsamen und lebendigen Begegnungen auf Augenhöhe bedanken. Ich fahre beschenkt zu mir nach Hause und werde wiederkommen, um bei und mit Euch auf meinem spirituellen Weg Begleitung zu finden. Ich konnte es mir nicht vorstellen, dass die unterschiedlichen Gebetsarten mir so wichtig sind. Ich werde die Morgenstille in meinen Alltag mitnehmen. Ihr lebt mir den Weg mit Jesus als Möglichkeit vor. 
- Anita

Mein Aufenthalt bei euch liegt nun schon einige Wochen zurück und doch ist es so, als wäre alles erst gestern zu Ende gegangen. Es ist noch alles präsent in mir. Diese zwei Wochen in Aham haben in mir Spuren hinterlassen. Sie haben vor allem meinen Blick auf mich selbst und auf das, was Gemeinschaft ist, verändert. Meine Zweifel sind mir bewusster geworden. Was ist mit meinem Gottvertrauen? Kann ich mich trotz meiner Angst vor Versagen auf Gott verlassen? Oder muss ich mich gerade in der Angst auf meine inneren Kräfte verlassen? Vielleicht gehört beides zusammen.
- Helmut

Ihr fragt, was ich aus Aham mitgenommen habe. Erstens eine Ahnung, was lebendiger Glaube sein kann und wie man ihn heute leben kann. Dann die Erkenntnis, dass eine Gemeinschaft keine Idylle und keine Weltflucht ist, sondern dass man zuerst einmal einiges aufgeben muss, um überhaupt gemein­schafts­fähig zu werden: alte Gewohnheiten, liebg­ewordene Vorurteile und allerhand Wünsche, die man für selbst­verständlich gehalten hat. Mich hat die Lebendigkeit und der Erlebnis­reichtum und die Intensität des Lebens mit euch beeindruckt.
- Stefan

Die Tage haben sich gelohnt. Ich habe es geschafft! Ich habe endlich meine Eltern hinter mir lassen können. Ich bin frei. Sie sind frei. Jetzt kann ich weitergehen und zur erwachsenen Frau reifen.
- Elisabeth