Ein Gebetsweg

Wir sind eine kleine Gruppe von etwa 10 Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben. Dieser Weg ist eine Suche, wir suchen unseren Zugang zum Leben, zu einem lebendigen Dasein — und das ist für uns die Suche nach Gott. Jeder von uns geht seinen ganz eigenen Weg und gleichzeitig gehen wir gemeinsam. Auf diese Weise finden wir den Weg leichter und helfen uns gegenseitig dabei, auf dem Weg zu bleiben.

Der Weg, den wir eingeschlagen haben, nennen wir Gebetsweg.

Gebet bedeutet für uns: wir sprechen zu Gott, wir rufen nach ihm, wir klagen unser Leid und schenken ihm unsere Freude. Wir beten mit Worten, wir beten schweigend. Wir beten auch mit dem Körper: unsere Hände beten, auch unsere Füße und eines Tages betet unser Herz. Unsere Orientierung ist Jesus, der uns vorausgegangen ist und ebenfalls zu Gott, seinem Vater, gebetet hat.

Drei Mal im Jahr verbringen wir jeweils drei Tage miteinander. Diese Tage haben einen klaren Ablauf. Es gibt Zeiten des stillen Gebetes, in denen wir versuchen innerlich ruhig zu werden, uns zu öffnen und zu horchen. Wir erfahren dann oft, wie lärmend es in uns zugeht; erahnen die Anwesenheit Gottes, wenn es uns gelingt zu schweigen. Wir machen Erfahrungen und tauschen sie aus. Wir sind im Widerstand und sprechen darüber. Dazwischen singen und tanzen wir, machen Yoga und den Sufi-Tanz. Wir kochen und essen zusammen.

Wir sind eine kleine Gemeinschaft geworden, die auf dem Weg ist.

Ein Brief an die Teilnehmer dieser Gruppe

Mein lieber Freund,
es ist mir ein Bedürfnis, dir von unserem Weg zu erzählen, den wir schon länger gemeinsam gehen. Wir bilden eine Gebetsgemeinschaft, die das Gebet in der Stille verdichtet, aber auch den Worten und den Taten Jesu Aufmerksamkeit schenkt und die gemeinsam Erfahrung macht und sich darüber austauscht: Wir haben uns auf einen Weg des Betens gemacht, der unseren ganzen Körper mit ins Beten bringt. Ausgehend von unseren Füßen, die über die Erde gehen und so mit Gott „sprechen“, kommt der ganze Leib in einen Zustand der inneren Achtsamkeit. Unsere Hände und Arme helfen mit lebendigen Gebärden, das Vaterunser mit seinen sieben Bitten auf eine ganz neue Weise und mit dem ganzen Körper zu erfahren.

Fruchtbar werden diese Erfahrungen erst, wenn wir aus der Stille heraus zu Gott Kontakt aufnehmen und dann auch den Austausch mit den anderen suchen. Auf diese Weise leben wir über mehrere Tage zusammen. So wie wir gemeinsam beten, so sprechen wir miteinander, kochen, essen, arbeiten und schweigen auch miteinander.

Dieser Weg wird für mich nie zu Ende gehen, weil er zu meinem Lebensweg geworden ist.

– Joseph, 2016